Ratgeber · Softwareentwicklung

Schnittstelle programmieren lassen: Ablauf, Kosten, Stolpersteine

Von Luis Waidmann · Stand: Juli 2026 · Lesezeit: ca. 6 Minuten

Kurz gesagt: Eine Schnittstelle verbindet zwei Systeme, die sonst über Handeingabe oder Excel-Listen gekoppelt sind, meist ERP, Onlineshop, Archiv oder Buchhaltung. Der Aufwand hängt weniger an der reinen Programmierung als an Datenqualität, Fehlerbehandlung und Sonderfällen. Realistisch ist eine erste, einfache Anbindung in wenigen Wochen, danach wird schrittweise ausgebaut. Nicht jede Doppeleingabe rechtfertigt eine Schnittstelle, für seltene Übertragungen bleibt ein sauberer Export manchmal die wirtschaftlichere Lösung.

Woran man erkennt, dass eine Schnittstelle fehlt

Drei Anzeichen tauchen in der Praxis immer wieder auf. Erstens, dieselben Daten werden in zwei Systemen von Hand gepflegt, etwa ein neuer Artikel im Onlineshop und noch einmal in der Warenwirtschaft. Zweitens, Exportdateien wandern manuell von einem System ins nächste, per CSV-Export und Import, mit den üblichen Zeitverzögerungen und Copy-Paste-Fehlern. Drittens, Auswertungen aus verschiedenen Systemen passen nicht zusammen, weil eine Seite dem aktuellen Stand immer einen Tag hinterherhinkt. Wo eines dieser Muster im Tagesgeschäft auftaucht, lohnt sich zumindest die Prüfung.

Die drei Wege, Systeme zu verbinden

Welcher Weg passt, entscheidet sich an den beteiligten Systemen, nicht an einer Vorliebe. Bei uns läuft das im Alltag über alle drei Varianten, je nachdem, ob eEvolution, SAGE, ein Onlineshop oder ein Dokumentenarchiv im Spiel ist.

So läuft die Programmierung ab

Was eine Schnittstelle kostet

Eine seriöse Pauschale gibt es nicht, dafür sind die Konstellationen zu unterschiedlich. Eine einfache Einbahnstraßen-Anbindung über eine vorhandene Programmierschnittstelle bewegt sich im Rahmen weniger Tagewerke. Eine bidirektionale Kopplung mit vielen Sonderfällen, etwa unterschiedlichen Preislogiken zwischen Onlineshop und Warenwirtschaft, kostet spürbar mehr, weil hier der Großteil des Aufwands in die Fehlerbehandlung fließt, nicht in den Regelfall. Dazu kommen laufende Kosten für Wartung, besonders wenn eines der angebundenen Systeme regelmäßig aktualisiert wird. Genaue Zahlen nennen wir nach der Analyse, verbindlich, nicht nach Bauchgefühl.

Typische Stolpersteine

Wann sich eine Schnittstelle nicht lohnt

Bei einer einmaligen Datenübernahme, etwa beim Umstieg auf ein neues System, ist eine dauerhafte Schnittstelle meist der falsche Weg, hier reicht ein einmaliger, sauberer Datenexport. Auch bei sehr geringen Datenmengen, wenn der manuelle Aufwand ohnehin nur wenige Minuten pro Woche beträgt, rechnet sich die Programmierung häufig nicht. Und wenn eines der beteiligten Systeme absehbar in den nächsten Monaten abgelöst wird, ist es meist wirtschaftlicher, die Ablösung vorzuziehen, statt in eine Schnittstelle zu investieren, die bald wieder verworfen wird. Diese Fälle sagen wir Ihnen im Erstgespräch offen, auch wenn das gegen ein Projekt spricht.

Schnittstellen sind einer der vier Kostentreiber bei Individualsoftware, meist der Treiber, der den größten Nutzen bringt. Als individuelle Softwareentwicklung bauen wir Schnittstellen so, dass sie zu Ihrer bestehenden Systemlandschaft passen, statt eine weitere Insel zu schaffen.

Luis Waidmann

B.Sc. Wirtschaftsinformatik · Digitale Transformation · COS Waidmann Systemhaus, Ravensburg

Gut zu wissen

Häufige Fragen zur Schnittstellen-Programmierung

Kann jede Software mit jeder anderen verbunden werden?

Technisch fast immer, wirtschaftlich nicht immer. Systeme mit einer offenen Programmierschnittstelle lassen sich sauber anbinden. Geschlossene Insellösungen ohne eigene Schnittstellenfunktion brauchen Umwege, etwa den Zugriff direkt auf die Datenbank, was fehleranfälliger und pflegeintensiver ist. Vor Projektstart prüfen wir, was Ihre vorhandenen Systeme technisch hergeben, und sagen ehrlich, wenn eine Anbindung nur mit Kompromissen geht.

Wie lange dauert die Entwicklung einer Schnittstelle?

Eine Einbahnstraßen-Anbindung mit klarer Programmierschnittstelle ist oft in wenigen Wochen einsatzbereit. Eine bidirektionale Kopplung mit vielen Sonderfällen, etwa unterschiedlichen Artikelstämmen oder Preislogiken, braucht mehrere Monate. Wir starten mit dem wichtigsten Datenfluss in eine Richtung und bauen danach schrittweise aus.

Was passiert, wenn eines der angebundenen Systeme ein Update bekommt?

Bei einer Anbindung, die direkt auf die Datenbank zugreift, kann ein Update die Schnittstelle brechen. Bei einer sauberen Programmierschnittstelle passiert das seltener, weil der Hersteller diese Schnittstelle selbst pflegt. Deshalb empfehlen wir dokumentierte Schnittstellen und einen Wartungsvertrag, der Updates der angebundenen Systeme mit abdeckt.

Reicht nicht auch ein einfacher Excel-Export?

Für einmalige oder seltene Übertragungen oft ja, dann lohnt sich der Programmieraufwand nicht. Bei Daten, die täglich oder mehrfach täglich anfallen, produziert ein manueller Export auf Dauer mehr Fehler und Zeitaufwand, als eine automatisierte Schnittstelle kostet. Die Grenze liegt meist bei der Häufigkeit, nicht bei der Datenmenge.

Welche Systeme sollen bei Ihnen zusammenarbeiten?

Schildern Sie uns die Doppeleingaben, die Sie nerven. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, ob und wie sich eine Schnittstelle lohnt.

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